Dilbert agil
Dilberts Boss hat mal wieder einen neuen Begriff aufgeschnappt. Er will jetzt "agile programming" einführen und erklärt das so, daß ab sofort ohne Planung und ohne Dokumentation entwickelt wird.
Während sonst meist klar ist, daß Dilberts Boss Unsinn redet, verwendet er hier leider weit verbreitete Vorurteile. Häufig höre ich Leute sagen, wenn ich auf agile Prozesse zu sprechen komme: Ach, daß ist wie in unserem letzten Projekt. Da lief auch alles chaotisch und am Ende haben wir dann doch was geliefert.
Leider haben die meisten noch nie das Agile Manifesto gelesen. Agil arbeiten heißt nicht chaotisch zu arbeiten, sondern das ohnehin von außen kommende Chaos beherrschen zu wollen. Das Vorgehen ist wesentlich zielgerichteter als herkömmlich Prozesse.
Planung
Einen Plan über die gesamte Projektlaufzeit zu erstellen ist Zeitverschwendung. Die Randbedingungen werden sich ändern. Kunde wie Auftragnehmer werden dazulernen. Alles vertraglich festschreiben zu wollen und dann den Kunden mit teuren Change Requests zu bestrafen, wenn sich das Festgeschriebene als unzureichend herausstellen sollte, ist nicht gerade förderlich für die Beziehung zum Kunden.
Stattdessen wird beim agilen Vorgehen nicht ein im Vorhinein festgeschriebenes Projekt betrachtet sondern ein kontinuierlicher Entsicklungsprozeß ohne festgelegtes Ende. Dafür werden in kurzen Abständen nutzbare Ergebnisse abgeliefert. Nach jeder Iteration ist der Kunde frei, das weitere Vorgehen in eine neue Richtung zu lenken.
Dadurch, daß im Abstand weniger Wochen Ergebnisse vorzeigbar sein müssen, ist der agile Prozeß wesentlich ambitionierter wie der herkömmliche, bei dem meist nur ein subjektiver Fortschritt von den Beteiligten abgefragt wird und die Entwicklung dann ewig bei einem Fertigstellungsgrad von 90 % stehenbleibt.
Dokumentation
In einem agilen Prozeß wird nichts um seiner selbst Willen getan. Alles dient nur dem Ziel, mit möglichst geringem Aufwand dem Kunden ein möglichst gutes Produkt zu liefern. Deshalb wird es abgelehnt, Dokumentation nach Gewicht herzustellen. es wird aber alle Dokumentation erstellt, die dem Entwicklungsprozeß dient und ganz sicher alle, die der Kunde zur Nutzung seines Produkts braucht (Benutzerhandbuch, Administrationshandbuch etc.). Dokumente, die nur in einer bestimmten Phase sinnvoll sind, werden auch nicht länger weitergepflegt als sie nützlich sind.
Metaprozeß
Der agile Prozeß ist nicht im Sinne von CMMI (zumindest wie es gewöhnlich verstanden wird) festgeschrieben. Es gibt keinen Prozeß der für alle Situationen paßt und genau angibt, was als nächstes zu tun ist. Stattdessen wird der Prozeß regelmäßig von dem gesamten Team reflektiert und angepaßt. Es existiert also ein Prozeß zur Optimierung des Entwicklungsprozesses. Auf dieser Metaebene ist der Prozeß genau definiert. Auf der Ebene der konkreten Handgriffe ist er flexibel.
Fazit
Dilberts Boss meint auch, daß Dilbert einen Film über Kaffee drehen wolle, als Dilbert erwähnt, daß er Javascript verwende. Sei kein solcher Ignorant. Wenn Dilberts Boss seine zielloses Vorgehen für agil hält, so ist agil mit Sicherheit alles andere als ziellos.
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