Sonntag, 4. Januar 2009

Der Schrecken am Ende

Bei der Entwicklung neuer Software wird gewöhnlich darauf geachtet, daß die Software am Ende fehlerfrei den Anforderungen entspricht. Was häufig nicht betrachtet wird, ist, daß sie nachher auch betrieben werden muss. Es gibt eine ganze Menge technische Aspekte zu beachten, aber heute will ich nicht darauf beschränken, zu überlegen, welche Leute dafür nötig sind, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Es ist ja nicht so, dass die Software entwickelt wird, und dann an irgendein Rechenzentrum übergeben wird, wo sicheine Wartungsmannschaft darum kümmert, daß die Software auf den Rechner zur Verfügung steht. Vielmehr muß die Software auch gewartet werden. Wenn wir ein hübsches System ausgedacht haben mit allen möglichen interessanten Technologien, laufen wir da leicht in eine Falle. Während der Entwicklung hatten wir all die Leute, die auf die kompliziertesten Aspekte der Architektur verstanden haben und auch denjenigen, der mal schnell ein Regelsystem aufsetzen konnte, mit dem wir die Dinge, bei denen die Anforderung unklar waren, so schön flexibel realisieren konnten. Wenn jetzt im Betrieb aber ein Problem auftritt, sind all diese Leute dann noch vorhanden? Das erste Problem ist offensichtlich. Während des Betriebes steht häufig ein wesentlich kleineres Budget für Softwareentwicklung zur Verfügung, so daß wir all die Leute überhaupt nicht bezahlen können. Gleichzeitig wird aber Softwaresupport das ganze Jahr über angefordert. Wenn die Kenntnis einer bestimmten Technik aber nur bei einer oder weniger Personen, so ist mit einem Engpaß zu rechnen, da diese Personen auch krank werden können und Anspruch auf Urlaub haben. Ein anderer Aspekt wird gewöhnlich ignoriert. Die Leute, die während der Entwicklung die kreativsten Ideen haben, sind meistens nicht bereit, Wartung zu machen. Das ist nicht böser Wille, sondern die Aufgaben setzen unterschiedliche Persönlichkeiten voraus. Wer lange Zeit Softwarewartung macht, der bindet seinen beruflichen Wert an das von ihm gewartete System. Will man Leute für diesen Job haben, so muss man ihnen eine gewisse Sicherheit bieten. Leute, die freiwillig Softwarewartung machen, sind daher häufig auch solche, die genau so eine Sicherheit suchen. Die besten Ideen bei der Entwicklung eines neuen Systems kommen hingegen von Leuten, für die Sicherheit weniger wichtig ist, die in ihrer Arbeit vielmehr Selbstverwirklichung und Abenteuer suchen. Um ein wartbares System zu bekommen, ist es demnach auch wichtig, die verwendeten Technologien so auszuwählen, daß sie schließlich auch von der Verfügung stehenden Wartungsmannschaft betreut werden können. Auch wenn es noch so attraktiv scheint, daß irgendwelche Heinzelmännchen heimlich die kompliziertesten Probleme lösen, so muß doch darauf geachtet werden, daß genügend Leute diese Problemlösungen auch verstehen. Um Nischentechnologien mit einzusetzen, reicht es nicht, daß wir zufällig einen Experten dafür besitzen, sondern wir müssen auch einrechnen, daß wir weitere Leute in dieser Technologie ausbilden müssen.

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